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v.07.12.2002

Tipps geben und mit Problemen nicht allein sein
Neue Selbsthilfegruppe für Aphasiker möchte Betroffene und Angehörige unterstützen

Jeden 1.Mittwoch im Monat Treffen

Gießen (ml). »Wie alt bist Du?« fragt Lydia Kramolisch ihren Mann. Er überlegt lächelnd und beginnt langsam mit seinen Fingern zu zählen. »Fünfundsechzig«, sagt er dann schließlich mit leiser, gebrochener Stimme. »Vor zehn Jahren hatte er einen Schlaganfall«, erzählt seine Frau. Seitdem ist sein Sprachzentrum gestört. Er versteht alles, hört alles, nur das Sprechen fällt ihm sehr schwer. Schreiben kann er gar nicht mehr. Aphasie nennt man diese Krankheit, bei der die linke Hirnhälfte geschädigt ist. »Ursache für die Sprachstörung ist ein Schlaganfall«, erklärt Manfred Henkel, Initiator der neu gegründeten Selbsthilfegruppe in Gießen und selbst betroffen durch die Krankheit seiner Frau, die vor etwa drei Jahren einen Schlaganfall erlitten hat.
Jeden 1.Mittwochnachmittag im Monat treffen sich Betroffene und Angehörige im
Kinderzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Grünberger Straße 222. Bei Plätzchen und Tee reden sie über Erfahrungen und Probleme im Alltag. Etwa 20 Betroffene und Angehörige waren bereits die ersten beiden Male da.
»Als ich die Diagnose zum ersten Mal hörte, konnte ich mit dem Begriff Aphasie überhaupt nichts anfangen«, erinnert sich Elke Schäfer. Ihr Mann erlitt vor vier Jahren einen Schlaganfall. An Informationen war schwer ranzukommen. Oft fühlte sie sich von Bekannten und Freunden auf Grund der neuen Lebenssituation isoliert. Finanzielle Fragen mussten geregelt werden, da ihr Mann seinen Beruf aufgeben musste. Probleme, mit denen sie in der Selbsthilfegruppe nicht alleine ist. Hier sitzen alle in einem Boot.
Eine junge Frau und ihr kranker Vater aus Lützellinden hoffen, in der Gruppe Informationen über gute Ärzte und Rehabilitationskliniken zu bekommen. Andere haben Fragen zu Anträgen bei Krankenkassen oder Sozialämtern. Beim ersten Treffen erzählte zum Beispiel das Ehepaar Schäfer von einer Klinik in Norddeutschland, mit der sie gute Erfahrungen gemacht hatten. »Hier können wir uns gegenseitig wertvolle Tipps geben«, meint Schäfer.
An Aphasie leiden in Deutschland rund 400 000 Menschen. Laut Henkel erkranken jährlich rund 80 000 Menschen neu. Die Gießener Selbsthilfegruppe finanziert sich durch Spenden und trifft sich jeden 1.Mittwoch im Monat von 16.15 bis 18 Uhr. Informationen erteilen die Organisatoren

Manfred Henkel (Tel.: 06 41-6 38 05),

Lydia Kramolisch (0 64 08-21 38)

und Elke Schäfer (0 64 04-54 84).


  

 

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