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Aus der Infomationbroschüre des
Bundesverbandes für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. (BRA,
Würzburg)
Aphasie - was ist denn
das?
"Die Sprache zu verlieren ist
genau so grausam wie eine Isolationshaft. Sich nicht mehr mit eigenen Worten
verständigen zu können, berührt die persönliche Würde",
so beschrieb der
ehemalige Bundespräsident Roman Herzog die Situation eines Aphasikers in seinem
Grußwort anläßlich des 3. Internationalen Aphasie-Kongresses in Würzburg
1996.
Plötzlich aufzuwachen und nicht mehr sprechen zu können ist die
schreckliche Erfahrung, die ein Aphasiker durchmacht. Sie kommen ins
Krankenzimmer und möchten mit Ihrem Angehörigen bzw. dem neuen Patienten reden.
Aber Sie erhalten keine verständliche Antwort. Ihr Angehöriger/Patient schaut
Sie an, versucht Worte zu formen. deutet mit den Händen und bringt
unverständliche Laute hervor. Was ist passiert? Ihr Angehöriger / Patient hat
eine Aphasie. Nach Einschätzungen der Aphasikerbewegung sind in der
Bundesrepublik Deutschland rund 400.000 Menschen von Aphasie betroffen.
Mindestens ebenso stark wie die Aphasiker selbst sind die Familienangehörigen
betroffen, denn das ganze soziale Umfeld muß sich der Veränderung stellen.
Gerade direkt nach dem Ereignis stehen die Angehörigen , die
bisher nichts mit Aphasie zu tun hatten, der neuen Situation oft hilflos
gegenüber.
Definition und Ursachen
Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die
nach einer Schädigung der linken Gehirnhälfte auftreten kann.
Ursache
solch einer Schädigung ist in vielen Fallen ein Schlaganfall. Andere mögliche
Ursachen sind Hirnblutungen, Hirntumore, entzündliche Prozesse im Gehirn oder
Schädel-Hirn-Verletzungen (etwa nach einem Unfall).
Das Wort "Aphasie"
ist ein medizinischer Fachbegriff und bedeutet "Verlust der
Sprache".
Aphasie bedeutet aber nicht unbedingt totaler Sprachverlust. Je
nach Ausmaß und Lokalisation der Schädigung tritt die Sprachstörung Aphasie in
unterschiedlicher Art und in unterschiedlichem Schweregrad auf.
Aphasie
hat nichts mit geistiger Behinderung oder psychischer Störung zu tun. Aphasie
verändert die sprachliche Kommunikationsfähigkeit, die Denkfähigkeit ist nicht
beeinträchtigt.
Welche sprachlichen Bereiche sind von der Aphasie
betroffen?
Betroffene Funktionsbereiche
Sprachproduktion und
Sprachverständnis sind gestört, aber auch damit verbundene Bereiche wie Lesen,
Schreiben, Rechnen, Gestik und Mimik können unterschiedlich stark betroffen
sein.
Sprachproduktion
Viele Aphasiker haben Mühe sich spontan zu
äußern, wenn sie angesprochen werden und antworten wollen. Manche Aphasiker
sprechen nur Silben, die sie aneinanderreihen, andere sprechen sehr langsam und
es gelingt ihnen nur mit Mühe, Wörter zu bilden. Wieder andere finden die
passenden Wörter nicht. Dagegen gibt es Aphasiker, die flüssig sprechen, oft
sogar überschießend, die dabei Laute und Wörter verwechseln. Grammatikalische
Fehler und Fehler im Satzbau sind sehr häufig. Es kann vorkommen, daß
Aphasiker etwas ganz anderes sagen, als gewollt war. Viele Aphasiker verwechselt
inhaltlich ähnliche Wörter wie "rechts" und "links" oder "Ja'' und "nein".
Manche Patienten äußern sich gegen ihre Absicht immer wieder mit denselben
Lauten oder Wörtern, ohne dies verhindern zu können.
Sprachverständnis
Aphasiker haben häufig Schwierigkeiten
gesprochene und geschriebene Sprache zu verstehen. Viele Aphasiker können einem
Gespräch nicht gut folgen oder verstehen bestimmte Äußerungen falsch, besonders
dann, wenn sehr schnell gesprochen wird oder wenn mehrere Personen am Gespräch
beteiligt sind.
Lesen
Zahlreiche Aphasiker verlieren ihre
Lesefähigkeit ganz andere teilweise. Aber selbst bei schweren Lesestörungen
können manchmal gut bekannte Wörter gelesen werden. Oft werden gelesene Wörter
mit sinnverwandten Wörtern verwechselt, ein Aphasiker liest statt "Jacke" z.B.
"Mantel". Manche Aphasiker können einzelne Wörter und Sätze lesen, aber deren
Bedeutung nicht verstehen.
Schreiben
Die Fähigkeit zu schreiben ist oft
im gleichen Maße und auf die gleiche Weise betroffen wie die Sprachfähigkeit.
Umgang mit Zahlen
Bei vielen Aphasikern ist die Fähigkeit mit Zahlen
umzugehen beeinträchtigt. Zahlen zu nennen, zu schreiben, zu lesen oder mit
ihnen zu rechnen kann sich problematisch gestalten.
Gestik und Mimik
Auch
Gestik und Mimik können gestört sein. Dann entsprechen Handbewegungen und
Gesichtsausdruck nicht dem, was die Betroffenen eigentlich ausdrücken
möchten.
Zusätzlich zur Aphasie auftretende Symptome
Wenn nicht
nur das Sprachzentrum geschädigt ist können unter anderem folgende
Begleiterscheinungen und Störungen auftreten:
Lähmungen
einer
Körperseite (Hemiplegie), meist rechts, häufig vom Ausfall des rechten
Gesichtsfeldes
begleitet.
Sehbehinderungen
Gesichtsfeldeinschränkungen können
einseitig oder beidseitig auftreten (Hemianopsie).
Störungen der
Körperwahrnehmung
Berührungen, Temperaturunterschiede und Schmerzen
werden zum Teil schlecht oder verfälscht wahrgenommen (Dysästhesien). Die
Körperwahrnehmung kann soweit beeinträchtigt sein, daß die gelähmte Seite gar
nicht mehr registriert wird (Neglect).
Störungen der
Sprechmotorik
Umschriebene neurologische Ausfalle im Bereich der
Sprechwerkzeuge, die sich auf Artikulation, Sprechrhythmus, Sprechmelodie und
Klang der Stimme auswirken (Dysarthrie).
Störungen der
Bewegungskoordination
Die Planung von Bewegungen und Handlungsabläufen
kann so beeinträchtigt sein, daß bestimmte Handlungen nicht durchgeführt werden
können (Apraxie, Ataxie).
Konzentrationsstörungen und
Merkfähigkeit
Oft treten plötzliche Konzentrationseinbrüche auf. Es fällt
den Betroffenen schwer, sich über längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren.
Auch die Merkfähigkeit kann beeinträchtigt sein. Aphasiker ermüden
leichter.
Gefühlsschwankungen und Reizbarkeit
Gefühle können oft
schlechter kontrolliert werden. Gefühlsausbrüche wie Arger oder Trauer werden
spontaner geäußert. Auch können vermehrt depressive Verstimmungen
auftreten.
Störungen des Antriebs
Aphasiker haben Schwierigkeiten,
selbst aktiv zu werden und wie gewohnt die Initiative zu ergreifen. Sie geraten
leicht in eine passive Zuschauerrolle.
Krampfanfälle
Krampfanfälle
können direkt vor dem Ereignis, während oder kurz nach einer Hirnschädigung
auftreten.

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